11.10.2007

Erfolg durch gemeinsames Handeln: Deutlich mehr Ausbildungsverträge, deutlich weniger unversorgte Bewerberinnen und Bewerber

Zum Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September 2007 und dem Start der Nachvermittlung geben die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Partner des Ausbildungspaktes die folgende gemeinsame Einschätzung zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt ab:

Erfolg durch gemeinsames Handeln:
Deutlich mehr Ausbildungsverträge,
deutlich weniger unversorgte Bewerberinnen und Bewerber


Die Erfolgsbilanz des Ausbildungspaktes hat sich in diesem Jahr weiter stark verbessert. Die jetzt von der BA und den Wirtschaftsverbänden vorgelegten Zahlen sind das beste Ergebnis seit Jahren.

In Industrie und Handel wurden 331.700 Ausbildungsverträge abgeschlossen, das sind 28.400 mehr als im Vorjahr (+9,3 %), im Handwerk 155.900, 12.000 mehr als im Vorjahr (+8,3 %). Bei den Freien Berufen wurden 43.100 Verträge abgeschlossen, ein Plus von 950 (+2,3 %). Zusammen mit den übrigen Ausbildungsbereichen ist damit zu erwarten, dass zum ersten Mal seit 2001 in diesem Jahr wieder mehr als 600.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden.

Mit der Einwerbung von 68.500 neuen Ausbildungsplätzen und 43.400 neuen Ausbildungsbetrieben werden - mit dem neuen Paktpartner Freie Berufe - die bei der Paktverlängerung im März 2007 deutlich erhöhten, sehr ehrgeizigen Ziele bereits jetzt überschritten. 31.500 Stellen für Einstiegsqualifizierungen sind bereits eingeworben.

Zum Ende des Berufsberatungsjahrs 2006/2007 am 30.9. waren bei den Arbeitsagenturen noch 18.400 unbesetzte Ausbildungsplätze registriert. Ihnen standen noch 29.100 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die niedrigste Zahl seit 2002. Die rechnerische Lücke betrug damit zu Beginn der Nachvermittlung 10.700. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Reduzierung um mehr als zwei Drittel.

Diese Zahlen zeigen, dass das Engagement der Paktpartner weiter Früchte trägt - unterstützt von der konjunkturellen Erholung, die voll auf den Ausbildungsmarkt durchschlägt. Zu dem guten Ergebnis haben auch die von der BA ausgeweitete außerbetriebliche Ausbildung und die Ausbildungsförderprogramme der Bundesregierung beigetragen.

Auch die Perspektiven für die Nachvermittlung der am 30.9. noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber sind sehr gut: Neben den noch unbesetzten Ausbildungsplätzen stehen die zugesagten 40.000 Plätze für betriebliche Einstiegsqualifizierungen zur Verfügung, die eine erfolgreiche Brücke in betriebliche Ausbildung bilden. Künftig können Arbeitsagenturen und Job-Center Einstiegsqualifizierungen als gesetzliche Dauerleistung fördern.

Die Aktivitäten zur Nachvermittlung von Kammern, Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften laufen bereits auf Hochtouren: Einladungen zur Nachvermittlung, Kompetenzchecks, Last-Minute-Lehrstellenbörsen, aber auch die Vermittlung in außerbetriebliche Ausbildung oder Berufsvorbereitende Maßnahmen. Damit soll allen Jugendlichen wie im Ausbildungspakt zugesagt ein Angebot unterbreitet werden.

Wir rufen die Jugendlichen auf, dabei aktiv mitzuwirken. Es zahlt sich aus, regional und auch hinsichtlich des angestrebten Berufs flexibel zu sein.

Wir rufen die Betriebe auf, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Damit bieten sie Jugendlichen eine Zukunftschance und sichern den eigenen künftigen Fachkräftenachwuchs.

Der Erfolg des Ausbildungspaktes belegt die Zukunftsfestigkeit unseres dualen Berufsausbildungssystems. Die bekannten Erfolgsfaktoren sind die Praxisnähe der Ausbildung und die Orientierung am Fachkräftebedarf. Um dieses bewährte System den aktuellen Erfordernissen anzupassen, hat der vom BMBF einberufene Innovationskreis berufliche Bildung 10 Leitlinien vorgelegt. Auf der Agenda der nächsten Wochen und Monate stehen insbesondere eine stärkere Flexibilisierung, größere Durchlässigkeit, ein besseres Übergangsmanagement und die stärkere internationale Orientierung der beruflichen Bildung. Hierzu wurde ein Umsetzungs- und Monitoringprozess mit den Ländern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften eingeleitet. Die Bundesregierung wird im November mit den Sozialpartnern erste konkrete Vorschläge zur Reform der dualen Berufsausbildung erörtern, u. a. zusätzliche Qualifizierungswege für Altbewerber und die Bildung von weiteren Berufsgruppen.

Angesichts des Fachkräftemangels – heute bereits spürbar in bestimmten Wirtschaftsbereichen und Berufen – ist es auch aus diesem Grund notwendig, die Durchlässigkeit zum Hochschulsystem für Absolventen der beruflichen Qualifizierung weiter zu verbessern. Die Paktpartner appellieren an die Länder und Hochschulen, das Bildungssystem entsprechend den Leitlinien des Innovationskreises berufliche Bildung insgesamt durchlässiger zu gestalten. Neben einem offeneren Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte müssen Berufserfahrungen auf ein Studium anrechenbar sein.

Für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ist es außerdem wichtig, die schulische Vorbildung der Jugendlichen zu verbessern und insbesondere den Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, deutlich zu reduzieren. Ab 1. Oktober können die Arbeitsagenturen und Jobcenter vertiefte Berufsorientierung beginnend in den Vorabgangsklassen der Schulen noch stärker als bisher präventiv fördern als bisher. Die Länder sind gefordert, ihren Teil zur notwendigen Kofinanzierung beizusteuern. Gemeinsames Ziel ist die Halbierung der Quote der Schulabgänger ohne Abschluss bis 2010. Um die Schulen bei der Verbesserung von Berufsorientierung und Ausbildungsreife zu unterstützen, hat der Innovationskreis berufliche Bildung einen Handlungskatalog vorgeschlagen, den es umzusetzen gilt. Auch haben die Paktpartner bereits Initiativen ergriffen, die aktuell weiterentwickelt werden. Berufswegeplanung muss sich zum festen Bestandteil der Schulprogramme entwickeln, braucht das Engagement der gesamten Schule und zuverlässige Partner. Hierfür wird ein Gesamtkonzept in der bewährten Zusammenarbeit von Paktpartnern und Kultusministerkonferenz erarbeitet.
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